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indymedia
Athen
- Anarchisten besetzen Universität!!
von Siegfried Hausner - 11.05.2005 13:36
In der Nacht zum
Mittwoch haben Anarchisten und Studenten nach einer Auseinandersetzung
mit der Polizei mehr als 100 Menschen in der Technischen Universität
festgehalten. Unter den "Geiseln" waren auch zwei ehemalige
Abgeordnete.
Straßenschlacht...
In der Nacht zum
Mittwoch haben Anarchisten und Studenten nach einer Auseinandersetzung
mit der Polizei mehr als 100 Menschen in der Technischen Universität
festgehalten. Unter den "Geiseln" waren auch zwei ehemalige
Abgeordnete.
Die Auseinandersetzungen hatten am Dienstagabend begonnen, als ein
früherer Verkehrsminister und ein Ex-Kulturminister zu einer Buchvorstellung
an der Hochschule ankamen. Anarchisten griffen dabei nach Polizeiangaben
zwei Polizisten an die die früheren Minister begleiteten und beschädigte
die Autos der beiden Politiker. Ein Polizist wurde verprügelt und
musste in Krankenhaus. Als die Gruppe den nächsten Bullen angriffen
schoss dieser einem Anarchisten ins Bein.
Die Anarchisten und Studenten setzten daraufhin die rund einhundert
Gäste in einem Hörsaal der Universität fest. Laut einer über die
Nachrichtenagentur ANA verbreiteten Erklärung protestierte die Gruppe
mit dem Namen "Anarchistische Genossen des Polytechnikums" damit
gegen die Anwesenheit bewaffneter Polizisten und den Einsatz von
Schusswaffen an der Hochschule.
Infolge kam es an dem Unigelände zu Straßenschlachten mit der Polizei
welche mehr als 6 Stunden dauerte. Die Polizei setzte Tränengas
ein, konnte trotzdem die Situation nicht unter ihre Kontrolle bringen.
Aus der ganzen Stadt zogen Genossen und Anarchisten zur Uni um die
Besetzer bei den heftigen Auseinandersetzungen mit den Bullen zu
unterstützen.
Am frühen Morgen zogen die Autonomen ab, nachdem die Polizei ihnen
zugesichert hatte, sie gehen zu lassen und den Einsatz der Schusswaffe
zu verfolgen. Das Rektorat der Universität hatte zuvor die Forderung
der Besetzer erfüllt, indem sie die Anwesenheit der Polizei verurteilte.
Historische
Ursachen
Anarchia
12.05.2005 07:43
Man
muss die Aktion der Genossen im Rahmen der griechischen Geschichte
sehen.
In der Diktatur
in Griechenland (1967-1975) war es zu systematischen auch tödlichen
Angriffe auf Linke gekommen und deren Verfolgung stand auf der Tagesordnung
der Junta. Trauriger Höhepunkt , der Angriff des Militärs und Paramilitärs
auf das von Linken besetzte Polytechnikum bei dem mehrere Menschen
(70-80)starben.
Nach der Diktatur
genossen die Universitätsgelände eine Art ungeschriebenes Asyl,
politisch Andersdenkende aber auch Flüchtlinge und andere
Gruppen suchten
seit dem dort Sicherheit vor Übergriffe des Staates. Ein Eingreifen
ist ohne der Zustimmung des Rektorats nicht denkbar. Habe in Athen studiert
und kann mich noch gut daran erinnern wie groß der Widerstand von
allen Studenten war wenn Polizisten das Universitätsgelände betreten
wollten, was sie in aller Regel dann auch nicht tun konnten.
Das erste mal wurde dieses "Gesetz" 1995 gebrochen als mehrere
hundert Anarchisten das Polytechnikum besetzten um ihre Solidarität
zu einem hungerstreikenden Genossen Ausdruck
zu verleihen. Es kam nach dem Eingreifen auf dem Unigelände zu 500
Verhaftungen. Die Anarchisten haben bei der jetzigen Besetzung Forderungen
gestellt, unter anderem das bekannt geben des Polizisten der auf
den Genossen geschossen hat, diesen wollten sie mit der Festhaltung
der Diskussionsteilnehmer Nachdruck verleihen. Hätten sie sie gehen
lassen wäre ein Eingreifen der Polizei vorprogrammiert und die Sache
wieder verschleiert wurde, wie so oft wenn die Polizisten von ihrer
Waffe Gebrauch machen.
Mensch kann über
diese Strategie denken wie er will, sollte aber mit Vorverurteilungen
vorsichtig sein.
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