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Bericht aus Athen:
Nazi - Demo verhindert
von
Eric Wegner (AGM) - 19.09.2005 23:42
Die
griechischen Faschisten der Chrysia Avgi (Goldener Sonnenaufgang)
planten für das Wochenende 16.-18. September gemeinsam mit NPD und
italienischen, französischen und spanischen Faschisten ein Sommerlager
bei Meligalas, ein Ort in der Nähe von Kalamata. In Meligalas waren
Mitte September 1944 etwa 800 griechische NS-Kollaborateure der
so genannten Sicherheitsbataillone von 1000 ELAS-Partisan/inn/en
aufgerieben und bis auf den letzten Mann nieder gemacht worden.
(Landesweit war
freilich der Grossteil der Kollaborateure aufgrund der Ausrichtung
der stalinistischen EAM-Führung auf eine Zusammenarbeit mit dem
britischen Imperialismus den intervenierenden britischen Truppen
übergeben worden, die sie rasch wieder bewaffneten und die aus ihnen
die Killerbanden formierten, die im Zuge der Einrichtung der probritischen
Diktatur und des darauf folgenden Bürgerkrieges zehntausende Anhänger/innen
der Linken ermordeten, folterten und vergewaltigten.)
Meligalas ist seit Jahren eine Pilgerstätte der griechischen Rechtsextremen,
wo sie ihre "Märtyrer" ehren. Der für dieses Jahr geplante
Aufmarsch der europäischen Naziszene stieß auf massiven Widerstand
der Arbeiter/innen/bewegung und der lokalen Bevölkerung, was schließlich
zu öffentlichem Druck und einem Verbot der Demonstration führte.
In Kalamata fand am 17. September eine kleine Demo von Anarchist/inn/en
und Trotzkist/inn/en der EEK statt. Ein Angriff einer kleinen Gruppe
von lokalen Faschisten auf die EEK nach der Demo wurde von dieser
in einer kurzen Schlägerei erfolgreich abgewehrt.
Am selben Abend versuchte die Chrysia Avgi gemeinsam mit einigen
italienischen und deutschen Gästen im Zentrum von Athen auf zumarschieren.
Vor ihrem Hauptquartier versammelten sich knapp 200 Faschist/inn/en,
darunter etwa 150 mit Knüppeln, Helmen und teilweise sicherlich
auch mit Messern ausgerüstete Schläger.
Obwohl nur ein Tag zur Gegenmobilisierung Zeit gewesen war, wurden
die beiden Hauptrouten für einen möglichen Naziaufmarsch durch die
radikale Linke blockiert. Am Omonia-Platz versammelten sich die
diversen Gruppen aus trotzkistischer Tradition: EEK, SEK, EE, Xekinima,
OKDE. Dazu kamen Aktivist/inn/en einen Migrant/inn/eninitiative
und eine kleine Gruppe der maostalinistischen KKE-ML. Gerufen wurde
unter anderem der beliebte Slogan "EAM - ELAS - Meli-galas".
Von den gut 600 Leuten waren etwa 100 für eine Konfrontation mit
den Nazis ausgerüstet. Beim Polytechnion versammelte sich gleichzeitig
ein Block von 500 Anarchist/inn/en, nahezu sämtlich für eine Konfrontation
ausgerüstet. Die größte Partei der Linken, die stalinistische KKE,
nahm an der Mobilisierung nicht teil. Zwischen den Faschisten und
den linken Gegenkundgebungen waren Einheiten der Spezialpolizei
MAT aufgezogen worden, die - wie überall in Europa - die Nazis schützten.
Besonders beim Polytechnion wurden immer stärkere Polizeiverbände
konzentriert.
Der faschistische Abschaum zog sich schließlich nach etwa zwei Stunden
in sein Hauptquartier zurück. Ein Naziaufmarsch im Zentrum von Athen
war damit verhindert worden. Die Kundgebung in Omonia löste sich
umgehend auf. Lediglich EEK und EE hielten noch eine Zeit lang die
Stellung.
Beim Polytechnion spitzte sich die Situation gleichzeitig zu einer
Auseinandersetzung zwischen Spezialpolizei und Anarchist/inn/en
zu. Die MAT versuchte mit Tränengasgranaten den anarchistischen
Block auseinander zu treiben. Am Vorstoß der MAT beteiligten sich
auch einige der griechischen Nazis. (Solche Kooperationen sind für
die MAT nichts außergewöhnliches. Und vor einigen Jahren wurde eine
linke Demonstrantin, von einem MAT-Polizisten schwer verletzt; der
uniformierte Schläger entpuppte sich schließlich als Mitglied der
Chrysia Avgi.) Die Anarchist/inn/en griffen die staatlichen Nazifreunde
mit Steinen und Molotow-Cocktails an. Es wurden Barrikaden errichtet
und schließlich die Polizeizentrale vom Bezirk Exarchia in Brand
gesetzt.
Noch Stunden nach den Kämpfen war in Exarchia (und am zentralen
Ort der Auseinandersetzung selbst noch am übernächsten Tag) die
brennende und die Schleimhäute reizende Wirkung des Tränengases
zu spüren. Einige Luxusautos waren ausgebrannt. Später in der Nacht
wurde die Schule der MAT in einem anderen Stadtteil mit unzähligen
Molotow-Cocktails angegriffen und es kam erneut zu einem Scharmützel.
Am Sonntag schließlich fand in Meligalas das traditionelle Treffen
statt, an dem sich auch Teile der etablierten Rechten, der Regierungspartei
Nea Dimokratia, beteiligten - und auch einige der Neonazis der Chrysia
Avgi. Der Bürgermeister von Meligalas wurde von ihnen attackiert,
ein Kameramann zusammen geschlagen. Am Rande der " Gedenkveranstaltung
" für die NS-Schergen kam es zu einer Schlägerei zwischen ehemaligen
ELAS-Partisanen und ehemaligen Kollaborateuren.
Landesweit besteht die Chrysia Avgi aus etwas über 100 Schlägern
und einigen alten Sympathisant/inn/en. Sie sind zu sporadischen
Übergriffen gegen Migrant/inn/en oder Linke in der Lage, sind aber
gleichzeitig in der Bevölkerung völlig isoliert und stellen gesamtgesellschaftlich
keine unmittelbare Gefahr dar. Gefährlich für die Linke und Arbeiter/inn/enbewegung
ist eher die Kooperation dieser faschistischen Kleingruppe mit der
rechtsextrem durchsetzten MAT-Spezialpolizei.
Eric Wegner (Arbeitsgruppe Marxismus)
http://www.de.indymedia.org/2005/09/128558.shtml
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