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interim
430, 21.8.1997
Die Situation in Griechenland
Wir durchlaufen
eine Zeit, in der die Regierenden mit verschiedenen Mitteln versuchen,
das Entstehen sozialer Kämpfe und Revolten, die der Verwirklichung
ihrer Pläne im Wege stehen, zu verhindern. Sie wollen damit einer
Explosion der Wut der Menschen vorbeugen.
Einer ihrer Tricks
ist der soziale Dialog, Sozialpartnerschaft zwischen den Herrschenden
und den Gewerkschaften, um ihre krassen wirtschaftlichen und politischen
Pläne ohne Reaktionen aus der Gesellschaft zum Erfolg zu führen.
Sie versuchen den
Leuten einzutrichtern, dass sie sich um deren Meinung kümmern, dass
sie deren Einverständnis für die Fortführung ihrer Pläne erreichen
möchten. Natürlich ist dies nur eine weitere Täuschung, denn alle
ihre Entscheidungen, die sie der Gesellschaft aufbürden wollen,
haben sie bereits getroffen.
Gleichzeitig fährt
der Staat mit den Angriffen auf den kämpfenden Teil der Gesellschaft
fort, indem er tausenden von Bauern, die sich an den Autobahnblockaden
im letzten Jahr beteiligt haben, den Prozess macht.
Auch die Prozesse
gegen die Anarchisten und die anderen Menschen, die beim Aufstand
in der Polyklinik 1995 verhaftet worden sind, werden fortgeführt.
Nach vielen Verschiebungen
wegen technischer Probleme wurde in den ersten Julitagen nun doch
das Schengener Abkommen vom griechischen Parlament abgesegnet.
Doch die Herrschenden
werden sich weiter ängstigen und sorgen. Denn sie wissen, dass die
Kämpfer/Innen noch immer die Barrikaden im sozialen Krieg gegen
sie halten.
Der soziale Krieg
geht weiter:
APRIL:
04.: K. Kalaremas,
S. Dapergolas und N. Chrisostomou werden wegen Bankraub verurteilt.
Die Urteile lauten: Für Kalaremas 2 Jahre, Dapergolas 7 1/2 Jahre.
Jahre und Chrisostomou 25 Jahre(!). Dapergolas und Chrisostomou
wurden im Juni 1995 bei dem Versuch eine Bank auszurauben verhaftet.
Im Oktober des gleichen Jahres wurde Kalaremas ebenfalls unter der
Beschuldigung des Bankraubes verhaftet. Er begann einen Hungerstreik,
der ihn im Dezember 1995 nach 68 Tagen die Freiheit brachte. Dapergolas
erreichte seine Freilassung nach 76 Tagen Hungerstreik im Januar
1997. Kalaremas und Dapergolas sind an den Kämpfen der Anarchisten
beteiligt gewesen. (Der Text gibt keine Klarheit darüber, ob die
beiden im Prozess nun in Abwesenheit verurteilt worden sind oder
ob sie eingeknastet worden sind. - Der Übersetzer).
05.: Ungefähr 30 Menschen greifen ein Einberufungsbüro der Armee
in Exarchia, im Zentrum von Athen, an. Sie schreiben antimilitaristische
Parolen an die Wände und Parolen gegen die Entsendung von Truppen
nach Albanien unter Ausgehverbot der Soldaten. Nach 5 Minuten, nachdem
die Telefonverbindungen abgeschnitten worden sind, beenden sie die
Aktion, ohne dass jemand verhaftet worden wäre.
06.: Solidaritätsdemo mit dem Aufstand in Albanien mit ungefähr
200 TeilnehmerInnen.
08.: Eine "Anti Staat Aktion" übernimmt die Verantwortung
für einen Brandanschlag auf den Bus eines Fernsehsenders. Der Bus
brennt völlig aus.
08.: Dem rumänischen Gefangenen G. Mihaita gelingt die Flucht aus
dem Gebäude der "General Police Direction of Athen".
09.: Auseinandersetzungen zwischen Bauarbeitern und der Polizei
vor dem Arbeitsministerium. Nach einer Demonstration versuchen die
Arbeiter hier reinzugelangen, die Polizei wendet Tränengas an, um
sie aufzuhalten.
09.: Eine Gruppe von Anarchisten greift Sondereinheiten der Polizei
zur Aufstandsbekämpfung mit Molotow-Cocktails an. Die Polizei war
während Studentenschaftswahlen vor der Polytechnischen Schule aufgezogen.
Nach ihrer Aktion verlassen die Anarchisten das Gebäude.
14.: "Revolutionäre Aktion" übernimmt die Verantwortung
für die Brandanschläge auf zwei Autos. Eines gehört zur französischen
Botschaft, eines einem anderen Diplomaten.
14.: Ein überwiegend aus Dynamit hergestellter Sprengsatz wird im
Finanzamt von Patisisia (Vorort von Athen) gefunden. Die Verantwortung
übernimmt die Gruppe "Revolutionäre Verschwörung". Der
Sprengsatz geht nicht hoch.
15.: Unbekannte setzen Armeefahrzeuge in der Nähe einer Kaserne
in St. Anargirous (Vorort von Athen) in Brand
15.: Im zentral gelegenen Athener Stadtteil Exarchia werden zwei
Autos von Regierungsbeamten vollkommen durch Molotow Cocktails zerstört.
Bei einem Bekenneranruf an eine Zeitung wird erklärt, dass es sich
um anarchistische Solidarität mit dem albanischen Aufständischen
handelt.
16.: In einem Bürogebäude eines Athener Vorortes detoniert wegen
falscher Zusammensetzung die dort gelegte Bombe nicht. Der Anschlag
wendet sich gegen die Entsendung des italienischen Militärs nach
Albanien.
21.: Militärfahrzeuge brennen in Goui (Athener Vorort) wieder wegen
Albanien.
23.: Bei einem Arbeitsunfall auf einer Werft in Perama (Vorort von
Piräus) verbrennt der Arbeiter D. Kirisis. Dies ist hier bereits
der zweite tödliche Unfall.
28.:"Autonomous Cores 9th April" bekennt sich zu einem
Brandanschlag auf einen faschistisches Büro in Omonia, Athen. Die
Tür und ihre Hetzschriften verbrennen.
MAI:
03.: Die jugendlichen
Gefangenen des Athener Koridalos Gefängnis rebellieren und nehmen
zwei Wächter als Geiseln. Während die Aufstandspolizei das Gefängnis
umstellt, werden die Forderungen der Gefangenen bekannt gegeben.
- Nach 4 Stunden lassen sie die Wächter wieder frei und kehren in
ihre Zellen zurück.
11.: Athen: "Antistaatlicher Kampf" bekennt sich zu einem
Brandanschlag auf einen Bus eines Zeitungsverlegers. "Diese
Aktion geschah in Gedenken an den Stadtguerillero " Christos
Tsoutsouvis und an den Tod von Ulrike Meinhof vor 20 Jahren."
11.: "Herzen der Revolutionären Gewalt" bekennen sich zu einem
Sprengstoffanschlag auf das Büro der Hafenoberen in Piräus. Eine
Erklärung, die sich auf die wegen den lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen
streikenden ArbeiterInnen bezieht, wird veröffentlicht.
24.: Ein Sprengsatz verursacht hohen Sachschaden bei der Ventouris
Schifffahrtsgesellschaft
in Piräus. Es geht um den Eigentümer der "Pegasos" auf
dessen Schiff ein Arbeiter ermordet worden war.
24.: Während eines Solidaritätskonzertes für die Zapatistas kommt
es vor der Schule der Schönen Künste in Athen zu Angriffen mit Steinen
und Molotow Cocktails auf Nobelkarossen, Feuerwehrautos und die
Aufstandspolizei. Linke und sich als Anarchisten bezeichnende Leute
der Zeitung "alpha" schließen die Türen der Schule und
setzen die Kämpfenden draußen damit der erhöhten Gefahr der Verhaftung
aus.
24.: Polizisten der Personalgarde des Präsidenten prügeln Gäste
einer Kneipe in Igoumenitsa (West Griechenland) und bedrohen sie
mit ihren Waffen.
JUNI:
06.: Den ArbeiterInnen
der Papierfirma Softex stehen die Löhne seit April aus. Sie werfen
Eier und Tomaten auf das Industrieministerium.
08.: Zwei Ausbrecher aus Koridalos werden durch Schüsse an der Flucht
gehindert.
14.: In einem Athener Stadtpark findet ein Anti-Maastricht Konzert
statt. Die Australische Botschaft, die zentrale Opelkonzernverwaltung
und Luxusautos werden mit Steinen und Mollis angegriffen. Auch ein
Polizeiauto wird zerstört. Während den Auseinandersetzungen wird
der 38 Jahre alte V. Dresios verhaftet.
19.: Aus Solidarität mit K. Kalaremas und S. Dapergolas werden während
eins Konzertes auf der Uni von Zografou (Vorort von Athen) zwei
Bullenautos vor der örtlichen Wache abgefackelt. Ein Polizist wird
durch ein Gummigeschoß verletzt. "Freiheit für alle anarchistischen
Gefangen" auch die Forderung, die unter anderem hinter vorausgegangen
Brandanschlägen auf ein Bullenauto und einen Supermarktlaster stand.
20.: Unbekannte verbrennen in einem Athener Büro der Jugendorganisation
der Regierungspartei PASOK deren Papiere.
23.: Das Auto des Staatssekretärs des Wirtschaftsministers fackelt
ab (In Nikea, Piräus).
26.: "Hassausbruch" übernimmt die Verantwortung auf einen
Anschlag auf ein Büro pensionierter Offiziere in Thessaloniki. (Da
dürften etliche Folterer aus der Militärdiktatur dabei sein- Der
Setzer).
JULI:
Ungefähr 30 Menschen
greifen im Athener Zentrum Exarchia Kaffees der Mafiaallianz aus
Bullen und Drogendealern und Bars an. Dabei werden 6 Menschen verhaftet
und übel zusammengeschlagen. Gegen eine Kaution von zwei Millionen
Drachmen werden sie am 09. freigelassen.
Quelle:
A- News, Informations- Blatt aus Griechenland (Englisch) Anarchist
Intervention, Anarchist Core "still unsubdued"
P.O. Box 30557
Athens 10033 Greece
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