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Europäisches Sozialforum in Athen 2006
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Ausländer ausgesperrt
Griechenland: Migrantengruppen
protestierten gegen rassistisches Gesetz. Tausende verlieren durch
Handelslizenzentzug ihre Lebensgrundlage
Heike Schrader, Athen
Eine »Initiative
immigrierter Kleinhändler« wehrt sich mit Unterstützung linker Gruppen
und Bürgerinitiativen gegen ein Gesetz, das die Vergabe von Handelslizenzen
neu regelt. Die neue Regelung gilt schon seit Januar, doch ihre
Konsequenzen werden erst jetzt deutlich: Knackpunkt ist der Passus:
»Anrecht auf eine Lizenz für den Verkauf von Waren auf griechischen
Märkten haben alle Einwohner Griechenlands mit der Nationalität
eines EU-Staates oder Bürger griechischer Abstammung aus den ehemaligen
Staaten der UdSSR, die schon am 30.6.2005 im Besitz einer ordnungsgemäßen
Handelslizenz waren«.
Tausende Migranten aus Nicht-EU-Ländern
haben davon jedoch erst nach und nach Wind bekommen, weil ihre Lizenzen
nicht mehr verlängert wurden. Für sie alle, die bisher ihren Lebensunterhalt
mit dem Verkauf von Kleidung, Haushaltswaren oder Spielzeug auf
den Wochenmärkten verdient haben, bedeutet der Erlaß
eine zwangsweise Rückkehr in die Illegalität. Denn ohne Arbeit und
ohne Sozialversicherung wird auch eine Aufenthaltserlaubnis in Griechenland
nicht mehr verlängert.
»Das ist ein klarer Versuch, uns von hier zu vertreiben«, meint
Elvis Ekhaguosa, der Vorsitzende der Nigerianischen Gemeinde in
Athen und Mitinitiator der Intiative.
»Kleinhandel ist unsere Existenzgrundlage, ohne diese Arbeit können
wir hier nicht leben.« Die Intiative verlangt die Abschaffung
der neuen Regelung. Ihr gehören sowohl Händler an, die im Besitz
einer gültigen Lizenz an, als auch bereits illegalisierte. Ekhaguosa
schätzt, daß allein in seiner Gemeinde
mehr als 2500 Menschen, Kleinhändler und ihre Familienangehörigen,
von dem Gesetz betroffen sind. »Es geht um Menschen, die zum Teil
seit mehr als 15 Jahren hier leben«, meint auch Adedayo
Adeosun, der Bischof der Gemeinde. »Menschen,
deren Kinder hier geboren wurden und hier zur Schule gehen. Es gibt
eine griechische Gemeinde in Nigeria, und deren Mitglieder haben
alle Rechte. Warum behandelt man uns dann hier wie Sklaven?«
In einem ersten Schritt wandte sich die »Initiative Immigrierter
Kleinhändler« Anfang der Woche mit Flugblättern und einer Demonstration
an die Öffentlichkeit. Verbündete sucht vor allem bei den Parteien
der griechischen Linken und der Gewerkschaften. »Dieses rassistische
Gesetz ist eine Provokation für jeden Griechen, der auch nur einen
Verwandten hat, der einst als Gastarbeiter in der Fremde arbeiten
mußte« heißt es in einer Erklärung der
Initiative.
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