Athener Verleger
von Linksextremisten ermordet?
FAZ 23.03.1983
uw. Athen, 22. März. Eine bislang unbekannte, anscheinend
linksextremistische Gruppe, die sich "Antimilitaristischer Kampf"
nennt, hat gegenüber dem griechische Abendblatt " Vradyni"
behauptet, den Herausgeber dieser konservativen Zeitung ermordet
zu haben.
Das geht aus einen Brief in Maschinenschrift hervor,
der nach einem telefonischen Hinweis " Vradyni"
in der Nacht zum Dienstag in einem Abfallkorb unweit des Verlagsgebäudes
gefunden wurde.
Der Verleger, der 71 Jahre alte Georgios Athanassiadis,
eine enger Freund des Staatspräsidenten Karamanlis, war am Samstagabend
in seinem Büro im Zentrum Athens erschossen worden. Er wird an diesem
Mittwochnachmittag beerdigt.
Die konservative Oppositionspartei "Neue Demokratie"
hatte unmittelbar nach der Tat, noch ehe es irgendwelche Anhaltspunkte
gab, von einem politischen Mord gesprochen. Der Brief jener Gruppe,
dessen Authenzität freilich noch ungeklärt
ist, scheint diesem Verdacht Nahrung zu geben.
Der oder die Verfasser gaben sich als Soldaten aus,
die für bessere Bedingungen innerhalb der Streitkräfte gekämpft
haben wollen. Solche linksgerichtete Soldatenräte der Armee, die
verschiedentlich mit vermummten Köpfen öffentlich aufgetreten waren,
sind von " Vradyni" angegriffen und nachdrücklich
verurteilt worden. Der Wortlauf des Briefes deutet auf eine linksextremistische
oder anarchistische Einstellung der Verfasser hin.
Der staatliche griechische Rundfunk hat den Brief in
seinen Nachrichtensenden am Dienstag mit keinem Wort erwähnt. Die
der sozialistischen Regierung verbundenen Zeitungen zweifeln seine
Echtheit an und fahren fort, ein rein krimineller Akt hinter dem
Mord zu vermuten. Die Nachrichtenblätter der konservativen Opposition
dagegen bewerten den Brief als "Beweis" für ein politisches Attentat.
Die Polizei hat den beiden Augenzeugen des Überfalls, einem bei
dem Anschlag verletzten Freund des Verlegers sowie dem Pförtner,
inzwischen einige verdächtige Personen gegenübergestellt, die jedoch
nicht als Täter wieder erkannt wurden. Fingerabdrücke des Mörders
hat die Polizei an einem Sessel sowie im Büro des Verlegers entdeckt.
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