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taz , 07.09.2002
Topterrorist taucht
wieder auf
Dimitris
Koufodinas , einer der führenden Köpfe
der Terrororganisation 17. November, stellt sich der Athener Polizei
von
Niels Kadritzke
Seit
zehn Wochen war er in Griechenland der bekannteste Unbekannte. Dimitris
Koufodinas war in aller Munde, seit mit
der Verhaftung des ersten Mitglieds der "Revolutionären Organisation
17. November" der Showdown gegen die linksterroristische Gruppe
begonnen hatte. Bei der unzeitigen Explosion einer Bombe am 29.
Juni, die am Hafenkai von Piräus zur Festnahme des Ikonenmalers
Savas Xiros führte, konnte der 42-Jährige
mit dem Decknamen " Loukas " flüchten. Seitdem
war sein Bild täglich in allen Zeitungen: als bärtiges Profil mit
hoher Stirn oder als lächelnder Bienenzüchter im weißen Schutzanzug.
Dass der "gefährlichste
Terrorist" so lange untergetaucht blieb, ließ die Behauptung der
Athener Regierung, der "17. November" sei endgültig zerschlagen,
übermütig erscheinen. Als der meistgesuchte Mann Griechenlands am
Donnerstag mit dem Taxi vor dem Hauptquartier der Athener Polizei
vorfuhr, wurde er vom Dienst habenden Beamten erst erkannt, als
er sich unter seinem richtigen Namen stellte und die "politische
Verantwortung" für die Aktionen des "17. November" übernahm.
Bei der "politischen"
Verantwortung wird es nicht bleiben, wenn Koufodinas
mit 15 weiteren verhafteten 17N-Mitgliedern vor Gericht gestellt
wird. Die Aussagen seiner Genossen identifizieren Koufodinas
nicht nur als Chefplaner der meisten Attentate, sondern belasten
ihn auch mit sehr konkreten Tatvorwürfen. Die Anklage gegen ihn
dürfte mindestens 15 Fälle vollendeten Mordes umfassen. Nach den
Ermittlungen des Staatsanwalts soll er auch der Mann sein, der am
8. Juni 2000 von einem Motorrad aus den britischen Militärattaché
Stephen Saunders erschossen hat. Auf der Liste seiner Opfer stehen
US-Offiziere, türkische Diplomaten, griechische Unternehmer und
Politiker wie der konservative Parlamentsabgeordnete Pavlos
Bakoyannis , dessen Ermordung 1989 das
Land erschüttert hatte.
Am erstaunlichsten
ist die polizeiliche Hypothese, dass Koufodinas
am Mordversuch an einem US-Offizier im April 1984 beteiligt war.
Das würde bedeuten, dass Koufodinas bereits
mit 16 den Anschluss an die terroristische Vereinigung gefunden
hatte. In diesen jungen Jahren bewegte er sich in polizeiüberwachten
Kreisen der Athener Anarchoszene, die mit Hausbesetzungen und illegalen
Plakataktionen ausgelastet schien. Sicher hat Koufodinas
an den jährlichen Protesten zum 17. November teilgenommen, bei denen
jugendliche Linksradikale immer wieder ihre Wut über den "Verrat"
an den Zielen des Studentenaufstands vom 17. November 1973 artikulierten.
Diese wichtigste Widerstandsaktion gegen die griechische Militärdiktatur
kannte der 1968 geborene Koufodinas nur
vom heroisierenden Hörensagen. Er gehörte zu den Zuspätgeborenen ,
die den historischen Auftrag des antidiktatorischen Kampfs als reine
Lehre des Klassenkampfes interpretierten und mit terroristischen
Mitteln abarbeiten wollten.
Innerhalb des "17.
November" zählt er zur "zweiten Generation", die das 1975 begonnene
Programm des individuellen Terrors radikalisierte und mit einem
erweiterten Waffenarsenal exekutierte. Koufodinas
gilt auch als Planer von Operationen wie dem Diebstahl von Bazookas
aus griechischen Armeebeständen und dem entsprechenden Raketenwerfer
aus dem Athener Militärmuseum.
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