Veranstaltung
Prozess gegen ELA
Prozess gegen 17.November
Haftbedingungen
Solidarität Staat&Repression
Presse
Erklärungen
Fotos und Plakate
Hintergrund
Aktuelles
Europäisches Sozialforum in Athen 2006
MAIL
|
Neues Deutschland,
09.02.2005
Anklage trotz Verjährung
Zweiter Prozess in Griechenland gegen "Revolutionären Volkskampf"
Obwohl die Anklagepunkte
bereits verjährt sind, wird in Griechenland jetzt sechs Menschen
wegen der Beteiligung an Sprengstoffanschlägen der Prozess gemacht.
von Anke Stefan, Athen
Anfang der Woche begann im Hochsicherheitsgericht von Koridallou ,
einem Stadtteil der griechischen Hafenstadt Piräus, der zweite Prozess
gegen mutmaßliche Mitglieder der Stadtguerilla-Organisation "Revolutionärer
Volkskampf" (ELA).
Vier der sechs Angeklagten, Christos Tsigaridas ,
Kostas Agapiou , Irini Athanasaki und Angeletos Kanas , waren bereits im
Oktober wegen "moralischer Mitverantwortung" an Anschlägen des ELA
zu jeweils 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Erneut angeklagt,
trotz seines einstimmigen Freispruches vom Vorwurf der ELA-Mitgliedschaft
im ersten Prozess, ist auch Michalis Kasimis. Erstmalig muss auch Giannis Serifis
die Anklagebank als mutmaßliches Mitglied des ELA drücken. Der bekannte
griechische Syndikalist gilt als der "übliche Verdächtige" der Behörden
und war erst im Dezember 2003 vom Vorwurf der Mitgliedschaft in
der Stadtguerilla "Revolutionäre Organisation 17. November" (17N)
freigesprochen worden.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten die Beteiligung an
insgesamt zehn Sprengstoffanschlägen des ELA in den 80er und 90er
Jahren vor. Der mit der Voruntersuchung des Falles befasste Richter
hatte die Attentate gegen verschiedene staatliche Einrichtungen
für bereits verjährt erklärt. Das über die Aufnahme des Verfahrens
entscheidende Gericht folgte dieser Ansicht jedoch nicht, sondern
ging von einer längeren Verjährungsfrist aus, da es sich bei den
Anschlagzielen um "Gegenstände des gesellschaftlichen Interesses"
handele.
Gleich zu Beginn des ersten Verhandlungstages kam es zu einem Eklat
im Gerichtssaal. Einer der Angeklagten war ohne Verteidiger erschienen.
Kostas Agapiou erklärte, schon der
erste Prozess gegen ihn sei eine juristische Farce gewesen. Das
nun beginnende zweite Verfahren jedoch sei von vornherein illegal.
Er weigere sich, daran mitzuwirken und werde auch nicht zulassen,
dass man von ihm autorisierte Rechtsanwälte zur Legalisierung eines
unrechtmäßigen Verfahrens missbrauche. Ohne inhaltlich auf diese
Argumentation einzugehen, bestellte das Gericht drei Zwangsverteidiger
für Agapiou.
|