Veranstaltung
Prozess gegen ELA
Prozess gegen 17.November
Haftbedingungen
Solidarität Staat&Repression
Presse
Erklärungen
Fotos und Plakate
Hintergrund
Aktuelles
Europäisches Sozialforum in Athen 2006
MAIL
|
FAZ 23.03.1983
Athener Verleger von Linksextremisten ermordet?
uw . Athen, 22. März. Eine bislang unbekannte, anscheinend
linksextremistische Gruppe, die sich "Antimilitaristischer Kampf"
nennt, hat gegenüber dem griechische Abendblatt
" Vradyni " behauptet, den Herausgeber dieser konservativen Zeitung
ermordet zu haben.
Das geht aus einen Brief in Maschinenschrift hervor,
der nach einem telefonischen Hinweis " Vradyni "
in der Nacht zum Dienstag in einem Abfallkorb unweit des Verlagsgebäudes
gefunden wurde. Der Verleger, der 71 Jahre alte Georgios Athanassiadis ,
eine enger Freund des Staatspräsidenten Karamanlis, war am Samstagabend
in seinem Büro im Zentrum Athens erschossen worden. Er wird an diesem
Mittwochnachmittag beerdigt.
Die konservative Oppositionspartei "Neue Demokratie"
hatte unmittelbar nach der Tat, noch ehe es irgendwelche Anhaltspunkte
gab, von einem politischen Mord gesprochen.
Der Brief jener Gruppe, dessen Authentizität freilich
noch ungeklärt ist, scheint diesem Verdacht Nahrung zu geben. Der
oder die Verfasser gaben sich als Soldaten aus, die für bessere
Bedingungen innerhalb der Streitkräfte gekämpft haben wollen. Solche
linksgerichtete Soldatenräte der Armee, die verschiedentlich mit
vermummten Köpfen öffentlich aufgetreten waren, sind von " Vradyni "
angegriffen und nachdrücklich verurteilt worden. Der Wortlauf des
Briefes deutet auf eine linksextremistische oder anarchistische
Einstellung der Verfasser hin. Der staatliche griechische Rundfunk
hat den Brief in seinen Nachrichtensenden am Dienstag mit keinem
Wort erwähnt. Die der sozialistischen Regierung verbundenen Zeitungen
zweifeln seine Echtheit an und fahren fort, ein rein krimineller
Akt hinter dem Mord zu vermuten. Die Nachrichtenblätter der konservativen
Opposition dagegen bewerten den Brief als "Beweis" für ein politisches
Attentat. Die Polizei hat den beiden Augenzeugen des Überfalls,
einem bei dem Anschlag verletzten Freund des Verlegers sowie dem
Pförtner, inzwischen einige verdächtige Personen gegenübergestellt,
die jedoch nicht als Täter wieder erkannt wurden. Fingerabdrücke
des Mörders hat die Polizei an einem Sessel sowie im Büro des Verlegers
entdeckt.
|