Zum ESF in Athen,
4. - 7. 5. 2006
Netzwerk gegen
Sicherheitspolitik und Repression
Großes Seminar
- "Der Kreuzzug gegen den Terror", die neuen globalen Feinde und
die Menschenrechte
Offshore
Gulag: Das einzige Recht, keine Rechte zu haben
Mozzam Begg (GB,
früher Gefangener in Guantanamo)
Das
neue Archipel der Kerker: "Schwarze Orte" und "Außergewöhnliche
Wiedergabe"
Wolfgang Kaleck
(D, Vorsitzender des Republikanischen Anwaltsverein)
Der innere und
äußere Ausschluss: Das System der europäischen Apartheid
Etienne Balibar
(FR, Philosoph)
Einleitung/Moderation:
Libertad (D), Netzwerk für politische und soziale Rechte (GR)
In den letzten
Jahren änderten sich die Bedingungen des öffentlichen Lebens dramatisch.
Der globale Kapitalismus hat die alten geographischen Grenzen
zwischen den Reichen und den Armen, dem Norden und dem Süden,
umspannt und hat die Welt in ein globales Empire für die Zirkulation
von Waren verwandelt. Aber die politische Hegemonie des Empire
ist mehr und mehr unter Druck. Soziale Bewegungen haben weltweit
ihre Paralysierung überwunden, in die sie nach dem Zusammenbruch
des östlichen Blocks gefallen sind. Der Aufstand der Zapatisten
war das erste Symbol für diese Entwicklung. Seattle markierte
den Wendepunkt 1999: Die sozialen Widersprüche sind auch sichtbar
wider in den Metropolen angekommen. Nach Seattle, Prag und Genua
wurden die so genannten Anti-Terror-Gesetze gemacht, in manchen
Länder wie Griechenland zum ersten Mal, in anderen als Ergänzung
zu bereits bestehenden Gesetzen.
Nach 9/11 wurden
die Widersprüche noch deutlicher. Der "zivilisierte Westen" mit
den USA als sein Hegemon hat die Kriege gegen Afghanistan und
den Irak begonnen. Zehntausende starben, die meisten von ihnen
unbewaffnete Zivilisten. Niemand war in der Lage, die Opfer zu
zählen. Die europäischen Politiker, die diesen 3. Golfkrieg nicht
unterstützten, wie Frankreich und Deutschland, taten dies trotzdem
indirekt, indem sie Logistik zur Verfügung stellten.
Der "Krieg gegen
den Terror" erzeugt einen permanenten Ausnahmezustand. Die Regierung
der USA hat ein globales Netzwerk von Internierungs-Lagern aufgebaut,
in denen Gefangene misshandelt und gefoltert werden. Die orangen
Overalls der Gefangenen von Guantanamo und der leidende "Kapuzen-Mann"
von Abu Ghraib symbolisieren die systematische Verletzung von
Menschenrechen. Ein Archipel von geheimen Kerkern benutzt die
übrig gebliebenen Verhör-Zentren der rumänischen Sekuritate, Flugzeug-Hangars
in Polen, US-Militärbasen in Kabul und Kriegsschiffe auf den drei
Ozeanen. Der CIA und der britische Geheimdienst MI5 haben in vielen
Ländern Menschen entführt und sie in dritte Länder geflogen, wo
niemand weiß, was mit ihnen passiert.
Europäische Länder
waren im Geheimen einverstanden mit diesem Outsourcing von Folter,
euphemistisch.... genannt, und haben sie mit ihrem eigenen Personal unterstützt.
Wir können sagen, dass die EU ihren eigenen "Krieg gegen den Terror"
begonnen hat. Bereits der EU-Gipfel in Athen am 22. Januar 2003
entschied einem Vorschlag der griechische Präsidentschaft zu folgen,
einem Protokoll zum "Zugang zu Transit-Institutionen" für US-Gefangenentransporte
zuzustimmen, welches auf ausdrücklichen Wunsch der USA nicht öffentlich
gemacht wurde. Auch Deutschland sandte seinen Geheimdienst als
Verhörer der Bundespolizei nach Syrien um einen deutschen Bürger
zu befragen, der vier Jahre in Syrien gefoltert und unter total
unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten wurde. Spanien kollaborierte
direkt und Italien protestierte gegen die Entführungen von Migranten
durch den CIA erst lang nachdem die Regierung informiert wurde.
Griechenland hat den Britischen Geheimdienst nicht vom Entführen
von Pakistanis abgehalten, sondern hat sie vielmehr für mehr als
eine Woche inhaftiert.
Innerhalb der
westlichen Demokratien wird der offene Ausnahmezustand ersetzt
durch eine beispiellose Verlängerung des Sicherheitsparadigmas
als einer normalen Regierungstechnik. Neue Gesetze werden erlassen
und neue Maßnahmen werden in Kraft gesetzt unter den Slogans "Krieg
gegen den Terror" und " Sicherheit für die Bürger". Demokratie,
politische und soziale Rechte, bürgerliche Freiheiten, der Verfassungsstaat
- all das ist aus dem offiziellen Diskurs verschwunden. Gruppen,
Parteien und Organisationen, die diese Maßnahmen kritisieren,
werden zum Ziel der repressiven Organe. Diese Organe haben die
Erlaubnis, jede Bewegung und jedes Wort der Bürger zu beobachten.
Wir werden bionisch tätowiert mit Iris-Scans, kontrolliert mit
Infrarot-Kameras und weltweit operierenden Spion-Satelliten, die
unsere Kommunikation aufnehmen.
Der "Kreuzzug
gegen den Terror" ist eng verbunden mit dem "Krieg gegen Migration". Lager werden außerhalb Europas Grenzen errichtet.
Hohe Zäune und Rasiermesser-scharfe Stacheldraht-Barrikaden trennen
die Europäischen Zentralen des akzeptablen Benehmens von den globalen
Slums. heute ist das Mittelmeer das größte Massengrab in Europa.
15 000 Menschen starben in den letzten Jahren bei dem Versuch,
die Küstenlinie von Schengen-Land zu erreichen. Alle, die die
Küste erreichen und die Grenzen von EU-Europa illegal überqueren,
werden in einem andauernden Prozess der Leugnung grundlegender
Bürgerrechte und gesellschaftlicher Beteiligung geächtet.
Diese Politik
versucht politisch abweichende Meinungen zu überwachen, abzuschrecken,
zu desorganisieren und zu kriminalisieren. Nationale "Anti-Terror"-Gesetze
werden durch den Europarat europäisiert. "Terrorismus" wird viel
weiter definiert um normale politische Aktivitäten und Widerstand
gegen repressive Regime im Ausland einzuschließen. Die neuen "Anti-Terror"-Maßnahmen
haben sich speziell gegen Migranten und Flüchtlinge gerichtet.
Gegen sie wurde die Repression radikal verschärft. Speziell migrantische
Kommunities werden wie innere Kolonien behandelt und ihre Organisationen
als "Terror-Verdächtige". Der EU-Rat hat eine große Zahl Organisationen
verboten, die von migrantischen Kommunities in ganz Europa als
Befreiungsbewegungen betrachtet werden. All diese Maßnahmen sind
integraler Bestandteil für die Rolle der EU beim Fördern von Rassismus,
Krieg und gemeinschaftliche globale Ausbeutung.
Der Krieg gegen
den Terrorismus geht Hand in Handschuh mit dem europäischen "Kampf
gegen illegale Migration", speziell in Hinsicht auf die militärische
Praxis und die offiziellen Rechtfertigungen. Es ist ein Krieg
gegen die Armen der Welt, die versuchen Tod und Unglück durch
Migration und Flucht zu entkommen und auf diesem Weg Freiheit,
Gerechtigkeit und Gleichheit fordern, die ihnen durch die universellen
Menschenrechte versprochen wurden.
Wir, Menschen
die im Kontext des ESF agieren, sehen uns selbst als Teil einer
weltweiten Bewegung gegen neoliberale Globalisierung und gegen
Krieg und Repression, die damit einhergehen. Die repressive Politik
ist direkt verbunden mit unserem Kampf für eine "andere Welt"
und ein "anderes Europa". Darum glauben wir, dass das ESF dem
Widerstand gegen die Repression die Wichtigkeit zukommen lassen
sollte, die er in der öffentlichen Meinung bereits hat. Höchste
Zeit, NEIN zu sagen!
Das Seminar wird
von verschiedenen Gruppen organisiert werden, die an diesen Projekten
beteiligt sind:
The Network
for Political and Social Rights, Griechenland; COBAS, Italien; Initiative
Libertad!, Deutschland; Askapena, Baskenland; CAMPACC, Großbritannien
Kontakt:
Achim
Rollhaeuser,
(Netzwerk, Griechenland) e-mail: ro-achim@otenet.gr
Martin Glasenapp (Libertad!, Deutschland e-mail: m.glas@t-online.de