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Interim 324- 30.11.1995
Bewegung
und Repression in Griechenland
Zum 2. mal seit dem Ende der Diktatur und zum 1. Mal was das Athener
Polytechnikum (technische Hochschule) angeht, wurde am Samstag
den 18. November das griechische Hochschulasyl vom Staat durchbrochen.
Nach
einem ganznächtlichen chemischen Krieg wurden 515 Menschen festgenommen.
Das waren die die von den ca. 2.500 des Abends im Polytechniko
geblieben sind. Die ca. 3.000 Bullen und die Anzahl der Festnahmen
sorgten für den mit Abstand größten Polizeieinsatz in der griechischen
"Demokratie". Die Leute wurden bei der Festnahme, dem
Transport und der U-Haft übelst geschlagen,
schikaniert und mißhandelt (z.B. Ausziehen von Frauen in Anwesenheit
von Bullen). Die Festgenommenen wurden 2 Tage lang im Bullen Hauptquartier
gehalten. Da wurden sie bis zu 25 Personen in 3x 3m "große"
Zellen gesperrt, viele haben nichts zu essen gekriegt, Telefon
und ärztliche Behandlung wurden in der Regel verweigert. 340 BesetzerInnen ,
darunter 80 "Minderjährige", wurden am 19.11. entlassen.
Der Rest wird von Gericht zu Termin geschleppt da der Polizei-
u. Justizapparat mit dem Ausmaß der Prozesse nicht zurecht kommt. Am meisten bedroht sind 25 Leute die am
17.1
L während der Straßenkämpfe festgenommen wurden. Da am angesetzten
Verhandlungstag die Ankläger (Bullen) nicht erschienen sind, wird
ihnen am 1.12. der Prozess gemacht. Bis dann sind sie überraschenderweise
freigelassen worden. Das gleiche gilt auch für die 137 BesetzerInnen
deren. Prozess auf den 5.12. verlegt wurde und die seit dem 23.11.
in Gruppen frei gelassen werden.
Am
16.11. wurden während einer Demo/Auseinandersetzung in Saloniki
( AnarchistInnen hatten das Theologie-Institut
der Uni besetzt) 4 Leute verhaftet. Vier Tage später sind zwei
zu 3,5 und einer zu 2,5 Jahren, wegen "Widerstand" und
"Aufruf zur Revolte" (ein uralt-Paragraph
der seit Jahrzehnten nicht mehr angewendet worden ist) verurteilt
worden und sitzen im Knast. Die 4. Person, eine 17 jährige Schülerin,
war zu der Zeit des Prozesses noch im Krankenhaus. Auch die anderen
haben von der "Sonderbehandlung" der Bullen berichtet.
8
Faschisten die in Athen am 16.11. die AnarchistInnen
angegriffen hatten und dabei ausnahmsweise mal von den Bullen
gestoppt wurden, wurden am nächsten Tag frei gesprochen.
Am
20.11. sind in Athen an die 50 Wohnungen und anarchistische Räume
durchsucht wurden. Die Bullen haben dabei alles mitgenommen, was
besonderst das Anarchiv " Anarchiki
Archiothiki " katastrophal ist.
Ob
die Repression weiter gehen wird und ob sie das Ziel hat jegliche
anarchistische/revolutionäre Aktivität im Land zu verhindern,
kann noch nicht gesagt werden. Bei den zahlreichen Demos und 'Versammlungen
gab es bis jetzt (25.11.) jedoch keine weiteren Repressionen.
Die Pogrom-Stimmung nach der 10- stündigen
live Übertragung der Besetzung und der Krawalle am 17. ist im
Moment etwas umgekippt. Die vielen Festnahmen und die extrem üble
Live-Verprügelung eines 16-jährigen von 10 Bullen waren wohl doch
ein bisschen zu vie
Am 17. November 1973
revoltierten in Athen Zehntausende gegen die Unterdrückung durch
die Militärjunta. Das Polytechnikum wurde der Mittelpunkt der
Kämpfe die sich gegen staatliche Einrichtungen richteten und Symbol
des Aufstandes, da es vom Militär gestürmt wurde und dabei 52
Menschen ermorden wurden. Seit dem wird der Jahrestag institutionalisiert
gefeiert. Da es sich aber nicht um ein Fest handelt sondern um
einen Aufstand auf den es bis heute Bezüge gibt, wird die Hochschule
jedes Jahr von AnarchistInnen / Antiautoritären
und anderen Außerparlamentarischen besetzt. Während der Demo,
Besetzung kommt es jedes Jahr auch zu Auseinandersetzungen mit
dem Staat und den Faschos (aber auch mit der KP, die ein Monopol auf revolutionäre
Geschichte beansprucht). Dieses Jahr wurde das Polytechnikum besetzt
um die Freilassung der politischen (anarchistischen) Gefangenen
zu fordern und um sich mit den Gefangenen zu solidarisieren die
z.Z . revoltierten (Massenaufstand im " Korydallos"- Knast/Athen). .
Als
die Kameras nicht "100 Vermummte" sondern eine Bewegung
vor sich fanden, waren alle erst mal erstaunt. Die SoziologInnen
liefern schon die ersten Erklärungen.
Von uns hingegen ist
Solidarität gefragt.
Aus
Solidarität mit den Inhaftierten/Verfolgten in Griechenland gab
es in Berlin am Montag eine Kundgebung vor dem griechischen Konsulat
am Wittenbergplatz. Der Wittenberg Platz konnte dabei zwar nicht
vollständig gefüllt werden, aber die Genossinnen in Griechenland
werden es schon mitkriegen. Auch von uns aus Grüße an euch! Wir
sind an weiteren Berichten zur Lage in Griechenland (und anderswo!)
interessiert.
Unser Internationalismus
gegen die Globalisierung des Kapitals!!!
Politische Gefangene
in Griechenland
G.Balafas
Ganz Griechenland weiß
daß es sich um den "Terroristen Nr.1" um eine Bullenkonstruktion
mit der Hilfe der US- Terrorismusberatungsstelle State Department
handelt. Die RichterInnen meinten: 10 Jahre Knast: 1
O. Kambouris
soll den Wächter des
KP-Gebäudes überfallen haben und seine Knarre geholt haben. KeineR
außer die Ehefrau eines an der "Aufklärung" beteiligten
Bullens hat ihn erkannt, 5 Jahre Knast. .
Ch.Marinos
Schon mehrmals wegen
unterschiedlichen Beschuldigungen in Knast und Medien gewesen,
soll er diesmal ein Krankenhaus überfallen haben.
4. Woche Hungerstreik.
G. Kritikopoulos
hat 12 Jahre Knast
(kein tippfehler ! ) wegen eines Molli gekriegt den
er nicht mal geschafft hatte zu werfen.
"
N. Karatzas
Wurde während einer
SchÜlerInnendemo verhaftet und wegen eines Rucksacks mit Mollis die bei ihm in der Nähe waren sitzt er schon fast seit einem Jahr in U-Haft.
N. Karanikas
ist kein Anarchist,
damals aber KDVler . 4 Jahre Knast. Der
Staat der in den letzten Jahren Verweigerungen geduldet hatte
(zwar illegal wurde aber nicht verfolgt) will anscheinend mit
der antimilitaristischen Bewegung Schluß machen
S. Dapergolas , M. Chrisostomou
Der erste ist Visp der
anarchistischen Wochenzeitung "Alfa". Die beiden wurden
bei einem Banküberfall verhaftet und ihnen werden willkürlich
auch andere Überfälle vorgeworfen
K. Kalaremas
wurde im Zuge der Festnahme
von Dapergolas und Chrisostomou
verhaftet und auch angeschuldigt. Angeschuldigt wird er von einer
Person die dadurch ihren eigene! Arsch retten wird. Der Genosse
ist seit dem ersten Tag seiner Verhaftung (11.10.) in den Hungerstreik
getrehten und sein Leben ist
mittlerweile in Gefahr, er wurde ins Krankenhaus gebracht,
verweigerte jedoch die Behandlung.
,
Es
war schon immer eine Taktik der griechischen Polizei Verhaftete
zu erpressen um ihre "Komplizen" zu nennen. Besonders
betroffen davon sind MigrantInnen . Seit 1990 gibt. es einen großen Migrationsweg von AlbanerInnen ',
nach Griechenland. Seit dem hat sich einerseits die Kriminalität
minimal gesteigert dafür ist aber der Prozentsatz der "ungeklärten Fälle" drastisch gesunken.
Die Polizei macht im Zweifelsfall AlbanerInnen
für alles verantwortlich. Es ist aber das erste mal daß diese
Taktik auch gegenüber der anarchistischen Szene angewendet wird.
Der Grund dafür ist sicherlich nicht nur die Aufklärungsquote.
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