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Interim 381-21.06.1996
Politische Gefangene in Griechenland
Den griechischen Knästen
fehlte es nie an politischen Gefangenen, weder an Jugendlichen,
kämpfenden Arbeitern noch an Kämpfern aus der anarcho
und antikapitalistischen Szene, die sogenannten "Terroristen". "
Die Zahl der Gefangenen entsprach immer der "Entwicklung der politischen
Bewegung und entsprechend verstärkte der Staat seine politischen
Maßnahmen gegen diese.
In den letzten Jahren
haben wir eine Verschärfung und ein Ausbreiten der staatlichen Unterdrückung
zu spüren bekommen. Das hat hauptsächlich mit der gewaltigen Umstrukturierung
des Kapitals zu tun und der dadurch ausgelösten sozialeR
Ungerechtigkeit. Dies erzeugt starken Widerstand in der Gesellschaft,
und entsprechende Aktionen müssen mitunter aus dem gesetzlichen
Rahmen fallen.
Der Staat versucht mit
den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln
( Polizei, Justiz, Massenmedien ), seine Haltung gegenüber politischen
Bewegungen Andersdenkender zu verstärken und gleichzeitig mit spektakulären
Aktionen gegen diese, eine Art Warnsignale für den anderen Menschen
der Gesellschaft zu setzen.
So zum Beispiel wurden folgende Maßnahmen in letzter Zeit eingeleitet:
1. Die Polizei hat jetzt
neue Spezialeinheiten, die mit neuen Waffen ausgerüstet wurden.
Polizeipräsenz, Polizeiblockaden, Personenkontrollen
sind in Athen alltäglich geworden.
2. Die Richter versuchen ständig,
sich neue und größere Handlungsräume zu schaffen. Sehr oft ergänzen
sie die staatliche Gewalt und verschärfen von alleine die
verhängten Strafen, " unabhängig, ob es sich um eine politische
oder eine einfache kriminelle Tat handelt (z. Bsp. 12,5 Jahre für
einen Molotow)
Die Urteile gegen Ausländer
sind natürlich noch weitaus härter.
Die griechischen Gefängnisse
sind permanent überfüllt, zur Zeit befinden
sich doppelt so viele Gefangene in den Gefängnissen als eigentlich
für diese zugelassen sind. ."
Außerdem
gibt es Pläne zur Schaffung eines Gremiums von Richtern, die durch
die Regierung geschützt und die anonym bleiben werden und
die besondere Rechte und Macht haben. Sie werden hinter verschlossenen
Türen Prozesse fuhren können und ohne Anwesenheit von Schöffen.
Und das alles im Namen der Bekämpfung des "Terrorismus".
Treue Mitstreiter der
Polizei und der Justiz sind die Massenmedien, die emsig bemüht sind
einen sozialen Konsens zu schaffen. Oft werden Ereignisse durch
die Massenmedien verzerrt und dadurch verfälscht präsentiert. Sie
entwickeln ein Bild vom" Chaos und' Zerstörung des Staates"
mit dem Ziel der Rechtfertigung der staatlichen Maßnahmen, die sich
angeblich nur um die Wiederherstellung von Recht und Ordnung bemühen.
Ein sehr treffendes Beispiel für eine solche Verzerrung von Wahrheit
ist die Aktion im November 1995 gegen die Besetzung " des Polytechniko in Athen.
Heute befinden sich in den griechischen Knästen als politische Gefangene:
Mohammed Hamdan :
Palästinenser, festgenommen
in Frühjahr 1988. Er bekam 18 Jahre für einen Bombenanschlag auf
ein Flugzeug der PANAM, den er ausgeführt haben soll (
eine Behauptung ohne Beweise). Sein Prozeß war ein typisches
Schnellverfahren und die Zeugen der Anklage waren FBI-Agenten. Die
US-Regierung forderte und fordert noch immer seine Auslieferung,
das würde aber seinen Tod bedeuten.
Odysseas Kambouris :
Anarcho, Gefangener
Ihm wird vorgeworfen
an einem Überfall auf die KKE- Zentrale (Kommunistische Partei Griechenlands)
bei dem die Waffen eines Wachpolizisten erbeutet wurden, teilgenommen
zu haben. Ein Motorradhelm, der angeblich ihm gehörte, diente bei
dem Prozeß gegen ihn als Beweismittel. Er wurde zu 5 Jahren Knast
verurteilt.
Theodoros Triantafdis :
Verurteilt zu 6 Jahren
Gefängnis für die Beschädigung der Einrichtungen des Polytechnikos
bei der 17- tägigen Besetzung 1990, nachdem
der Polizist freigesprochen wurde, der bei einer Auseinandersetzung
1985 den Anarcho M. Kaltesas getötet hat.
3 Jugendliche befinden sich seit 3 Monaten in Untersuchungshaft mit der
Anklage wegen Brandstiftung in Schulbussen.
Nikos Karatsas ,
Schüler, 1995 bei einer Schülerdemonstration festgenommen
und sitzt. in . Knast mit der Anklage, einen Molotow in seiner Tasche
transportiert zu haben.
Mit Gewalt erpreßte Aussagen und zurechtgezimmerte Anklagen haben in letzter
Zeit viele Jugendliche in Griechenland ins Gefängnis gebracht. .
Im November 1995 haben 1500 Jugendliche und Leute das Polytechniko in Athen besetzt. Daraufhin fuhren sofort Polizeieinheiten
vor das Gebäude und begannen gleich mit einem
regelrechten Chemie-Krieg.
Die Besetzung die sich mit den politischen Gefangenen und dem Knast-Aufstand
( Korydalos ), der sich auf ganz Griechenland
ausbreitete, solidarisch erklärt. Nach diesem unerhörten "Krieg",
der 16 Stunden vor dem Polytechniko tobte,
wurden 540 Leute festgenommen und in die PolizeihauptzentraIe
von Athen transportiert und dort vorläufig für 3 Tage festgehalten.
Bis vor kurzem gingen die Prozesse gegen 300 Leute, die alle zu
40 Monaten Knast wegen Hausfriedensbruch, Fahnenverbrennung (20
Monate) und mutwilliger Zerstörung öffentlichen Eigentums verurteilt
wurden, diese sind zur Zeit noch frei, weil sie in die Berufung
gegangen sind. Unter diesen Festgenommenen befanden sich 9 Genossen
für die schon vorher ein Festnahmebefehl vorlag.
Die Geschichte ist bis
jetzt noch nicht abgeschlossen.
Der Thriller geht weiter.
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