Veranstaltung
Prozess gegen ELA
Prozess gegen 17.November
Haftbedingungen
Solidarität Staat&Repression
Presse
Erklärungen
Fotos und Plakate
Hintergrund
Aktuelles
Europäisches Sozialforum in Athen 2006
MAIL
|
Aufstand der
Ausgegrenzten
Griechenland:
Landesweiter Streik im öffentlichen Dienst gegen Sozialabbau
Heike Schrader,
Athen
Stillstand herrschte
am Donnerstag in weiten Teilen des öffentlichen Dienstes in Griechenland.
Schulen, Behörden und Ministerien blieben geschlossen, in den
staatlichen Krankenhäusern arbeitete nur ein Notdienst. Da auch
die Fluglotsen streikten, startete oder landete den ganzen Tag
keine einzige Maschine auf dem Flughafen der Landeshauptstadt.
Die Beteiligung
an dem vom Gewerkschaftsdachverband der Arbeiter und Angestellten
im öffentlichen Dienst, ADEDY, ausgerufenen landesweiten Streikes
lag nach Aussagen von Gewerkschaftssprechern mit mehr als 50 Prozent
der Beschäftigten über der Teilnahme an vergangenen Aktionen.
Mit 80 Prozent Streikenden nahm das Gesundheitswesen den Spitzenplatz
ein. Die beiden Lehrergewerkschaften des Landes streiken auch
am heutigen Freitag.
Es ist kein Zufall,
daß es gerade die Gewerkschaften im Gesundheits- und Bildungswesen
sind, die die Speerspitze des derzeitigen Arbeitskampfes bilden.
Schulen und Krankenhäuser sind besonders von der Spar- und Privatisierungspolitik
der konservativen Nea-Dimokratia-Regierung betroffen. So gehört
die Forderung nach einer Aufstockung des staatlichen Etats für
Bildung und Ausbildung auf fünf Prozent des Bruttosozialproduktes
und sechs Prozent im Gesundheitswesen zu den Hauptforderungen
des Gewerkschaftsdachverbandes. Darüber hinaus verlangt die ADEDY
in den anstehenden Tarifverhandlungen eine deutlich über der Inflationsrate
liegende Lohnerhöhung besonders der unteren Lohngruppen und einen
Mindestlohn von 1 200 Euro.
In der Landeshauptstadt
Athen versammelten sich am Donnerstag Tausende Streikende, um
diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen. In Sprechchören forderten
sie dazu auf, den von Finanzminister Georgios Alogoskoufis erarbeiteten Haushaltsentwurf
in die Mülltonne zu werfen. Der Etat sieht Lohnerhöhungen unterhalb
der Inflationsgrenze, also de facto Lohnminderungen und weitere
Einschnitte bei der staatlichen Finanzierung sozialer Bereiche
vor. Spiros Papaspiros, Vorsitzender des Gewerkschaftsdachverbandes,
betonte in seiner Ansprache an die Streikenden, Bildung, Gesundheitsfürsorge
und eine menschenwürdige Rente seien Rechte und kein Almosen.
Als Verantwortliche für die Misere der Werktätigen bezeichnete
er nicht nur die griechische Regierung, sondern auch die EU-weit
geförderte Politik zugunsten der Unternehmer. "Die Herrschenden
haben den Blick für die Realität verloren", so Papaspiros, "Sie
reden vom Aufstand der Ausgegrenzten in Paris und sehen nicht,
daß aufgrund ihrer Politik bald die Mehrheit zu den Ausgegrenzten
gehören wird."
junge Welt vom
11.11.2005
|