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Europäisches Sozialforum in Athen 2006
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Redebeitrag von Dimitris Koufondinas
(voraufgezeichnetes Telefoninterview)
Genossinnen und Genossen,
ich würde es nicht für ehrlich noch nützlich halten,
wenn ich an Euch nur eine einfache Grußadresse richten würden,
die sich auf Allgemeinheiten und Parolen beschränkte.
Die Erfahrung der revolutionären Organisation 17. November
gehört mittlerweile zur Geschichte der Bewegung. Dorthin gehört
auch die Einschätzung individueller Standpunkte und die Bewertung
von bestimmten Verhaltensweisen gegenüber der Staatsmacht.
Denn der Schlag gegen eine Organisation durch den Staat, also etwas,
was mit gewisser Wahrscheinlichkeit eintritt, ist eine Sache; eine
andere Sache ist die persönliche Niederlage, der Kniefall und
noch schlimmer die Akzeptanz der Werte des Klassengegners. Der Revolutionär,
das Mitglied einer bewaffneten Organisation, weiß, dass er
nicht an einem Festumzug teilnimmt, sondern an vorderster Front
des Klassenkampfes steht. Und wenn seine Organisation Schlägen
ausgesetzt ist, ist er verpflichtet, den Kampf fortzusetzen, indem
er die Einrichtungen der Sicherheitspolizei, das Gefängnis
und das Gericht zu Schützengräben des nunmehr politischen
Kampfes macht, um die Überlegenheit der Werte der revolutionären
Linken aufzuzeigen.
Soweit es das Gericht betrifft, beginnt in wenigen Tagen in unserem
Fall der Prozess zweiter Instanz. Weil auf der Anklagebank auch
Menschen sitzen, die mit der Organisation und den Anklagen, die
gegen sie erhoben werden, nichts zu tun haben, ist auch der juristische
Kampf wichtig. Vorrangig ist jedoch der politische Kampf.
Gleichwohl können wir nicht von einem gerechten Verfahren
sprechen, einem Verfahren, das zusammenhängt mit der zugespitztesten
Konfrontation zwischen Kapital und Arbeit. Der Staat hat im übrigen
vorgesorgt mit einer Reihe von Sondergesetzen, einer Sonderbesetzung
des Gerichts, mit der er den besonderen Rahmen bestimmt, der für
das Verfahren in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen
der staatlichen Macht gilt.
Wir können als Revolutionäre auch nicht über Unschuld
oder Schuld sprechen. Im Klassenkampf gibt es keine Schuldigen oder
Unschuldigen. Die sozialen Kämpfe sind nicht unschuldig oder
schuldig, sie sind gerecht.
Der 17. November, eine antiimperialistische antikapitalistische Organisation
der revolutionären Linken, war - wie schon ihr Name sagt -
zutiefst verbunden mit der griechischen Wirklichkeit, der Geschichte,
der Erinnerung und den kämpferischen Traditionen des griechischen
Volkes. Deshalb erreichte sie mit ihrem Kampf, einem Teil dieses
Volkes Ausdruck zu verleihen.
Der 17. November begann als eine Organisation bewaffneter Propaganda,
als ein erstes Stadium des Projekts des Guerillakampfes, indem sie
an dem langandauernden revolutionären Prozess der Konstruktion
des bewaffneten Volkes und der Emanzipation der Gesellschaft teilnehmen
und ihn befördern wollte.
Er begannt zu einer Zeit, wo der historische Kreis des Projekts
der dritten Internationale sich schloss und in der ganzen Welt die
Erfahrungen der Guerillakämpfe in den Bergen und in den Städten
aufblühten. Er wollte die bewaffnete Seite der Revolution zur
Geltung bringen, und zwar mit unmittelbarer Aktion jetzt. Dies ist
die zentrale Frage, die die revolutionäre von der reformistischen
Linken unterscheidet.
Unser Kampf brachte nicht die Früchte, die wir erwarteten.
Von dem Kreis dieser bestimmten Stadtguerillakämpfe, der sich
jetzt geschlossen hat, muss die revolutionäre Bewegung , soweit
sie sich für ihre Selbsterkenntnis und ihre Zukunftsaussichten
interessiert, ihre Schlussfolgerungen ziehen, um das neue revolutionäre
Subjekt in der modernen Zeit zu schaffen, ein Subjekt, das nur in
Richtung Konfrontation gehen kann und nicht bestimmt wird von den
jeweiligen Grenzen der bürgerlichen Legalität.
Genossinnen und Genossen, die einzige Niederlage ist der Ruhestand;
die einzige Hoffnung ist die Revolte. Damit sich die Sonne dreht,
braucht es viel Arbeit, sagt einer unserer Dichter. Aber die Tiefe
des Himmels ist rot.
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